Resonanz und Klang beim Singen

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Veröffentlicht am Di., 14. Aug. 2018 17:08 Uhr
Kirchenmusik

Unsere Resonanzräume

Beim Singen spüren wir, dass unser Körper Einfluss auf den Klang unserer Stimme nimmt. Wenn wir z. B. die Hand auf die Brust legen, sind dort besonders bei tiefen Tönen Schwingungen wahrzunehmen. Beim Singen nutzen wir unsere Resonanzräume, die wie Lautsprecher im Körper wirken.

Ohne Resonanz klingt der Kehlkopfton zunächst eher wie ein raues, schnarrendes Geräusch. In unserem Körper wird es verstärkt und bekommt sein Volumen durch verschiedene Resonanzräume; das sind zunächst die Mundhöhle, der Rachenraum und die Nasenhöhlen. Wenn wir nun besonders laut singen oder sprechen, dann können wir spüren, dass immer mehr Körperregionen zum Einsatz kommen. Dank unserer Resonanzräume erhält unserer Stimme ihre Individualität. Wir können mit der Zeit lernen, die Resonanzräume bewusster zu nutzen, um weiteres Klangvolumen zu erzeugen.  

Das Klangbild unserer Stimme

Unsere Stimme hat eine eigene Klangfarbe, auch Timbre genannt. Die gesamte Anatomie der Resonanzräume bestimmt unsere Klangfarbe: Rachenraum, Mund-Nasenhöhle und Zahnstellung, Zunge, Lippenform. Trotzdem können wir darüber hinaus durch Stimmübungen viel für eine schönere Klangfarbe tun! Erst, wenn wir das Zusammenspiel aller relevanten Muskel in Einklang gebracht haben, kann unser wahres, natürliches Timbre zum Vorschein kommen. Hierbei entdecken wir durch Ausprobieren, wie sich die Klänge verändern und können schließlich mit den Klangfarben spielen.

Hohe Stimmen – tiefe Stimmen

Die Anatomie unseres Kehlkopfes entscheidet, ob wir eine hohe oder tiefe Stimme haben. Je länger und dicker unsere Stimmlippen sind, desto tiefer klingt die Stimme. Schmale und kürzere Stimmlippen erzeugen höhere Klänge.
Beispielsweise sind die Stimmbänder von Babys ca. 6 Millimeter lang, eine Sopranistin besitzt ca. 15 Millimeter lange Stimmlippen, und ein ausgewachsener Mann kann bis zu 25 Millimeter lange Stimmlippen haben.

Psyche und Stimmklang

Neben einer guten Stimmausbildung und unserem Timbre ist auch unsere Gemütsverfassung für die Klangfarbe entscheidend. Alle psychischen Befindlichkeiten spiegeln sich in unserer Stimme wieder. Sie beeinflussen zunächst den Atem und dieser wiederum den Stimmklang.

Beim Singen können wir uns diesen Umstand zunutze machen, indem wir uns in eine bestimmte Situation oder Stimmung hineinversetzen und versuchen, diese klanglich darzustellen. Durch Übung und Ausprobieren können wir lernen, unsere Gefühle noch deutlicher über die Stimme zum Ausdruck zu bringen.  

Singen in Trauer- und Jubelstimmung:
Wenn wir unsere authentischen Gefühle in die Musik einbringen, bedarf es etwas Achtsamkeit: In einer traurigen Stimmung kann die Stimme schwach und schlapp klingen; die Spannung im Körper fehlt. Mit Hauch und Undeutlichkeit kann die Stimme nicht mehr tragen und ist kaum präsent. Bei zu großer Euphorie kann sich die Stimme vor Freude überschlagen. Unsere Emotionen gesanglich zu transportieren, ist also gar nicht so einfach. Grundsätzlich kann uns beim Singen unsere persönliche Befindlichkeit nützlich sein und ebenso Schwierigkeiten bereiten. Mit der Zeit können wir aber lernen, ausgelassene Freude und Kontrolle miteinander zu kombinieren sowie Traurigkeit und Körperspannung auszubalancieren. 

Für solistisch singende Menschen ist die Bewältigung dieser Schwierigkeiten eine besondere Herausforderung. Im Chor hingegen sind sie glücklicherweise leichter zu überwinden, da wir ein Teil des Klangkörpers sind.

Egal, ob wir nun Klassische Musik, Gospel, Pop, Jazz oder Musical singen: Unsere Stimme ist unverwechselbar und einzigartig, sie ist geschaffen für das Singen mit Leib und Seele.

(Frauke Grübner)  

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