Die Atmung beim Singen

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Veröffentlicht von Frauke Grübner am Di., 14. Aug. 2018 18:37 Uhr
Kirchenmusik

Die Atmung steht beim Singen immer an erster Stelle. Sie ist die Voraussetzung für unseren Gesang, und sie beeinflusst die musikalische Interpretation.

Der Atem steht in Zusammenhang mit vielen physischen und psychischen Prozessen. Eine gute Atmung kann unser Wohlbefinden beim Singen und im Allgemeinen entscheidend steigern. Durch eine gute Atmung können wir stimmliche Präsenz und Ausdauer deutlich verbessern sowie Nervosität und Stresssituationen besser bewältigen. Darum lohnt es sich hier einmal genauer hinzuschauen.

Wie atmen wir beim Singen richtig?
Mit Hilfe der Lunge kann unser Körper Luft aufnehmen. Unser Zwerchfell ist für die Atmung der wichtigste Muskel, der quer im Körper liegt und sich beim Einatmen wie eine Kuppel nach unten wölbt. Unsere Körpermitte und unser Brustkorb weiten sich mit Hilfe weiterer Muskeln, und es wird Platz für die Lunge geschaffen. Dieser Gesamtvorgang wird auch Bauch- Flankenatmung genannt.

Die Lunge folgt nun passiv den Bewegungen des Oberkörpers. Eine richtige Atmung beim Singen heißt also, dass die Lunge nicht aktiv atmet, sondern beatmet wird. Dieser Vorgang erzeugt ein Wohlgefühl, denn wir pumpen die Lunge nicht voll.

Um sich die Bauch- Flankenatmung zu erleichtern, kann die Vorstellung des Erstaunens über ein schönes, überraschendes Ereignis hilfreich sein. In einem solchen Moment weiten sich unsere Körpermitte und der Brustkorb wie von alleine, und eine gute Basis für das Singen ist geschaffen.

Jetzt brauchen wir nur noch auf eine wohldosierte Ausatmung zu achten.  

Beim Singen bleibt das Zwerchfell beim Ausatmen in der Einatmungshaltung (also leicht geweitet), so dass ein elastisches Gleichgewicht im Zwerchfell- und Kehlbereich herrscht, und alle Resonanzräume geöffnet sind. Hierdurch erhalten wir beim Singen einen gleichmäßigen Luftstrom. Meistens wird hierbei von der Atemstütze (was etwas statisch klingt) gesprochen: Sie soll unbedingt ein lockerer, elastischer Vorgang sein und kann als eine Art bewusste Verlangsamung der Ausatmung verstanden werden. Wir können an dieser Stelle ebenso den Begriff Atembalance verwenden.

Die Ausatmung zu kontrollieren ist für viele Anfänger zunächst nicht leicht. Gerne wird beim Singen schon in der sogenannten ersten Phrase zu viel Luft abgegeben, so dass es schnell zu Atemnot kommt. Hilfreich hierbei ist es, sich klarzumachen, dass wir beim Singen in der Regel nur wenig Luft verbrauchen. Wir können einfach auf dem Atem singen. Die Luft wird nur fein dosiert abgegeben. 

Eine effektive Übung hierfür:
Wir lassen den Atem tief einfallen und singen lang gehaltene Zischlaute. Damit erreichen wir eine exakte und ausgeglichene Stütze, die ausreichend Widerstand ohne Verspannung im Körper ermöglicht.

So erklären bekannte Sängerinnen und Sänger ihre Atemtechnik:

Nicolai Gedda hat in einem Interview mit Jerome Hines, einem renomierten Bass des Metropolitan Oper Ensembles, gesagt, dass er bei der Atemstütze nicht die Bauchmuskeln verwende, sondern den Ton mit dem Zwerchfell direkt unter den Rippen stütze. Die Bauchmuskeln spanne er bei der Atmung weder an, noch kümmere er sich um irgendeine untere Bauchmuskelpartie beim Stützen. 

Joan Sutherland hat das Singen und die Atmung so beschrieben: Sie singe auf dem Atem und nicht mit dem Atem; der Ton schwebe folglich auf dem Atem. Der kontrollierte Atemfluss sorge dafür, dass der Atem beim Singen langsam und gleichmäßig ausströmen kann.

Luciano Pavarotti erklärt die Bauchatmung mit Hilfe eines Luftballons, der mit dem Atem frei und gleichmäßig gefüllt wird. Hierbei ziehe er das Zwerchfell nicht ein, da es sonst aufsteigen würde. Dieses steige von ganz alleine auf, wenn der Atem beim Singen wieder langsam ausströmt. Wichtig sei ebenso, sich vor der Einatmung genügend Zeit zu nehmen, um das Zwechfell wieder zu entspannen.

Maria Callas erklärte den Gesangsstudenten an der Julliard School of Art in New York ihre Prinzipien der Atemstütze, dass der Ton nicht mit der Atemstütze angeschoben oder gepresst wird, sondern sie den Ton auf dem Atem schweben lassen sollen.
In den erhaltenen Dokumenten von Masterclass-Mitschnitten sagte sie wiederholt: "Beim Singen bitte nicht den Ton mit dem Atem anschieben, sondern auf dem Atem schweben lassen. Bringe den Stimmsitz in den Kopf und stütze den Ton vom Kopf her, aber singe ohne Atemdruck."

(Frauke Grübner)   

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