Gutes Wort für den 21. März

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Veröffentlicht am Sa., 21. Mär. 2020 06:30 Uhr
Gutes Wort

Balkon- und Gartensingen

Von: Pastor Dr. Christoph Schroeder, Kirchengemeinde Nienstedten

Lied EG 452

Er weckt mich alle Morgen,   
er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
Ist er mir nah und spricht.
 
Er will mich früh umhüllen
Mit seinem Wort und Licht,
verheißen und erfüllen
damit mir nichts gebricht;
will vollen Lohn mir zahlen,
fragt nicht, ob ich versag.
Sein Wort will helle strahlen,
wie dunkel auch der Tag. 

Gebet

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit,
das eine vom andern zu unterscheiden. Amen.

Lesung Jeremia 33,10-11

„So spricht der Herr: An diesem Ort, von dem ihr sagt:
‚Er ist wüst, ohne Menschen und Vieh‘,
in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems,
die so verwüstet sind, dass niemand mehr darin ist,
weder Menschen noch Vieh,
wird man dennoch wieder hören den Jubel der Freude und Wonne,
die Stimme des Bräutigams und der Braut
und die Stimme derer, die da sagen:
‚Danket dem Herrn, denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.‘“

Audioversion:

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Impuls

„Man wird dennoch wieder hören den Jubel der Freude und Wonne.“ Mit dieser Verheißung hat der Prophet Jeremia den Blick der Menschen seiner Zeit über die Katastrophe hinausgelenkt, die sie auf sich zukommen sahen – die Besatzung und Zerstörung der Stadt, ihre eigene Deportation ins Exil. Er hat ihren Blick über das Dunkle hinaus gerichtet und sie damit gestärkt und das Kommende erträglich gemacht: „Man wird wieder hören die Stimme des Bräutigams und der Braut.“ Zur Zeit können zwar keine Hochzeiten und andere Feste stattfinden. Doch das, was ihr jetzt erlebt, hat nicht das letzte Wort. Habt einen langen Atem! Es werden wieder Feste gefeiert werden. Wenn ihr diese Perspektive nicht verliert, könnt ihr die Einschränkungen hinnehmen, denen ihr jetzt unterworfen seid!

Im September letzten Jahres war ich mit meiner Frau beim Herbert Grönemeyer-Konzert in der HDI-Arena in Hannover. Das Stadion voller erwartungsfroher Menschen, eine milde spätsommerliche Stimmung. Mitreißend, wie alle die Grönemeyer-Hits „Weg“, „Bochum“, „Halt mich fest“ mitsangen. Nach der dritten Zugabe mussten wir aufbrechen; den letzten Zug nach Hamburg durften wir nicht verpassen. Aber auf dem Weg zu Fuß zum Bahnhof durch die stille Stadt begleitete uns der Gesang aus dem Stadion. Und dann, als Abschluss des Konzerts: „Der Mond ist aufgegangen.“ Es war, als würde die ganze nächtliche Stadt davon erklingen.

Wenn ich heute daran zurückdenke, kommt es mir vor wie aus einer anderen Zeit. Unvorstellbar – so viele Menschen dicht gedrängt auf engem Raum, tanzend, singend, ohne Berührungsängste. Das ist zur Zeit nicht möglich. Aber es wird wiederkommen! „Man wird wieder hören den Jubel der Freude und Wonne.“

Für das Volk Israel war die Erfahrung des Exils im Rückblick die Zeit, in der sie Gottes Nähe intensiver gespürt hatten als jemals zuvor oder danach. Auch ich merke, wie wertvoll jetzt zwischenmenschliche Beziehungen werden, wie schön es ist, die Zeit zum Telefonieren zu haben und nicht nur per Whatsapp oder Email zu kommunizieren. Wie gut es ist, die Stimme des anderen zu hören! Vielleicht werden wir im Rückblick diese Tage, Wochen, Monate als großes Geschenk sehen: „Ich habe mich auf das besonnen, was mich wirklich trägt. Was will ich mit meinem Leben?“

In Italien gehen die Menschen abends auf ihre Balkone und singen – als Zeichen der Verbundenheit und der Hoffnung. Die Kirche bei uns in Deutschland ruft dazu auf, an jedem Abend um 19.00 Uhr auf dem Balkon oder im Garten miteinander „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was dann, irgendwann, wieder kommen wird: „der Jubel der Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut.“

Herbert Grönemeyer - Der Mond ist aufgegangen (Klicken um Link zu folgen)

Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar Der Wald steht schwarz und schweiget Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar Seht ihr den Mond dort stehen Er ist nur halb zu sehen Und ist doch rund und schön So sind wohl manche Sachen Die wir getrost belachen Weil unsre Augen sie nicht sehn So legt ...

Fürbitte

Barmherziger und gnädiger Gott, in diesen Tagen und Wochen sind wir auf uns selbst zurückgeworfen. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Aber wir sind gewiss, dass Du uns Wege aufzeigst und sie mit uns gehst. Sei du das Licht auf unserem Weg und eine Leuchte für unsere Füße, dass wir sicher gehen können.

Wir bitten dich für alle Kranken in unserer Stadt, in unserem Land, überall.

Wir bitten dich für Ärzte und Pflegekräfte, für die Verkäuferinnen in den Supermärkten, für alle, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen. Schenke ihnen Kraft, Ausdauer, Geduld und Zuversicht, dass sie diese schwierige Zeit durchstehen und gesund und gefestigt aus ihr hervorgehen.

Wir bitten dich für die Alleinstehenden. Schenke ihnen die Gelassenheit, um in dieser besonderen Situation das Alleinsein auszuhalten. Gib ihnen Menschen an die Seite, die ihnen bei Alltagsbesorgungen helfen.

Wir bitten dich für die Familien. Gib den Erwachsenen die Kraft, für ihre Kinder da zu sein. Lass sie diese besondere Zeit als Chance entdecken und als Geschenk. Gib den Kindern die Phantasie und die Inspiration, aus der Langeweile heraus überraschend Neues zu entdecken.

Wir bitten dich für uns alle. Lass uns aufeinander achten. Lass bei aller räumlichen Trennung das Bewusstsein wachsen, dass wir zueinander gehören und füreinander einstehen. Amen.

Segen

Und es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist.

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