Gutes Wort für den 24. März

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Veröffentlicht am Di., 24. Mär. 2020 06:30 Uhr
Gutes Wort

In meinem Leben habe ich zwei Dinge herausgefunden

Von: Pastor Martin Hofmann, Ev.-Luth. Christuskirche in Othmarschen  

Lied EG 504

Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr;
meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht;
auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.

Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall.
Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

Seht, wie fliegt der Vögel Schar in den Lüften Paar bei Paar.
Blitz und Donner, Hagel, Wind seines Willens Diener sind.

Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf;
von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöpfers Ehr.

Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar!
Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

Gebet

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Einen Tag nach dem anderen zu leben, einen Moment nach dem anderen zu genießen. Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren, sie anzunehmen, wie Jesus es tat: diese sündige Welt, wie sie ist, und nicht, wie ich sie gern hätte, zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst, wenn ich mich Deinem Willen hingebe, sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge und im nächsten Leben für immer überglücklich. Amen.

(Reinhold Niebuhr)

Lesung 1. Mose 1,1-5

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.


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Impuls

Jemand hat mal gesagt: In meinem Leben habe ich zwei Dinge herausgefunden:

1. Es gibt einen Gott.
2. Ich bin’s nicht.

Ich glaube, gerade in diesen Zeiten ist diese Erkenntnis ganz heilsam: Wir sind nicht die Herren der Welt. So ein kleines Virus hat uns das in schmerzhafte Erinnerung gerufen. Wenn die Bibel vom guten Schöpfergott erzählt, geht es nie um naturwissenschaftliche Fragen. Es geht um Macht und um Deutungshoheit:

Wem verdanke ich mich? Wer bestimmt, wer ich bin, was aus mir wird?

Die Völker um Israel herum glaubten vor 2-3 Tausend Jahren, dass die Natur zu verehren sei: Baumgeister und Astralgötter, Flussdämonen und Tiergottheiten. Donner und Blitz waren furchterregend. Wasserströme und Sonnenfinsternis auch.

Da sind wir 2020 weiter. Doch in diesen Tagen empfinden auch wir einen ganz kleinen Teil der Natur wieder als bedrohlich, wir beherrschen ihn im Moment nicht, auch wenn wir diesen ganz kleinen Teil in unseren modernen Mikroskopen gut begucken können.

Und es stellt sich die wieder Herrschaftsfrage: Wem räumen wir Macht über unser Leben ein? Einem Virus, das auf der ganzen Welt so viele Leben bedroht? Oder einem Gott, der diese ganze Welt in seinen Händen hält?

Ich denke, nicht nur ich bin dieser Tage in Sorge, wie es weitergeht mit der Gesundheit, mit meiner, mit der meiner Familie, mit der Gesundheit der Menschen, die mir als Pastor anvertraut sind.

Natürlich kann ich sagen: Vertrau nur auf Gott und alles wird gut. Aber ich bin mir nicht sicher, ob diese Botschaft in diesen Tagen das einzige Evangelium sein kann.

1. Es gibt einen Gott.
2. Ich bin’s nicht.

Wenn Gott der Herr über alles ist, muss ich es nicht sein. Ich kann und darf nur das tun, was in meiner Kraft und meiner Verantwortung steht. Wir sind nicht der Herr. Wir arbeiten nur für ihn (dabei ist es völlig unerheblich ob wir am Sonntag ein Beffchen um den Hals haben oder nicht). Wir alle sind bedürftig und verwundbar, wurden als Christenmenschen mit Wasser getauft und nicht in Drachenblut gebadet.

1. Es gibt einen Gott.
2. Ich bin’s nicht.

Ich bin hin und hergerissen zwischen meinem Auftrag den ich habe, weil es einen Gott gibt, und meinen Grenzen, weil ich dieser Gott eben nicht selbst bin, zwischen dem Anspruch: Hilf deinem Nächsten! und meiner Furcht, diesem Anspruch nicht gerecht zu werden.

Ich wünsche Ihnen und auch mir, dass wir Augenmaß und klaren Kopf behalten, dass wir uns nicht sofort von einem scheinbar allmächtigen COVID-19 ins Bockshorn jagen lassen und mit viel Mut und Nächstenliebe in die nächsten Wochen gehen. Ich wünsche Ihnen und auch mir aber auch die Einsicht, dass wir in unserem Handeln nicht allmächtig sind, dass wir anderen etwas schuldig bleiben. Gottvertrauen und Fantasie sind gefragt, wenn so ein kleines Stück Natur uns unsere Grenzen aufzeigt.

Doch: Corona ist nicht alles. Gott ist alles. Im Moment spüre ich besonders in den Medien, welche Macht das Coronavirus nicht nur über unsere Gesundheit, sondern auch über unser Denken gewinnt. Zwischen all den Katastrophennachrichten, die minütlich auf meinem Bildschirm aufpoppen, sehe ich auch immer wieder Gutes: Nachbarinnen, die füreinander einkaufen, Sänger auf Balkonen, Gemeindeglieder, die bei Hilfsbedürftigen anrufen, Menschen, die in unserer Kirche Kerzen entzünden und beten, Andachten per Telefonkonferenz, all die diakonischen Einrichtungen, die in diesen Tagen weiter für Hilfesuchende geöffnet haben, unzählige Menschen, die nicht bereit sind, sich ganz und gar von einem Panikvirus beherrschen zu lassen.

Tun Sie in den nächsten Wochen, was Sie können, um für ihre Nächsten da zu sein.

Tun Sie, was Sie können. Mehr aber nicht.

Denn: Es gibt einen Gott. Und Sie sind’s nicht.

Fürbitte

Beten wir für alle Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind,
für alle, die Angst haben vor einer Infektion,
für alle, die sich nicht frei bewegen können,
für die Ärztinnen und Pfleger, die sich um die Kranken kümmern,
für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmitteln suchen,
dass Gott unserer Welt in dieser Krise seinen Segen erhalte.
Allmächtiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke,
viele Generationen vor uns haben dich als mächtig erfahren,
als Helfer in allen Nöten.
Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind,
und stärke in uns den Glauben, dass du dich um jede und jeden von uns sorgst.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
(Martin Conrad)

Segen

Und es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist.

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